«PREVIEW - Streifzug durch die Schweiz im 20. Jahrhundert»
Sonderausstellung vom 5. Mai bis 29. Oktober 2006 Schweizerisches Landesmuseum Zürich




AUSSTELLUNG


ARBEIT

Die Verschiebung vom sekundären zum tertiären Sektor prägte die Schweizerische Wirtschaft im 20. Jahrhundert nachhaltig. Der Wandel von der Produktions- zur Dienstleistungs und Informationsgesellschaft erlebt in den 1970er Jahren ihren Höhepunkt: Erstmals sind mehr Leute im Dienstleistungssektor beschäftigt als in der Industrie.
Durch den Einsatz neuer Geräte wie die Schreibmaschine oder das Diktafon erschliessen sich insbesondere den Frauen ganz neue Berufsfelder im Bürobereich. Seit 1985 revolutioniert der PC die Arbeit im Büro und zu Hause.


Objekt: Dictaphon (LM 94203/04)


AUSSTELLUNG SCHWEIZ

Die Landesausstellungen etablierten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Sie waren eng mit der Entwicklung des Nationalstaates verbunden und dienten der nationalen Selbstdarstellung. Die erste offizielle Schweizer Landesausstellung findet 1883 in Zürich statt, dort wo heute das Landesmuseum steht. In der Folge wandeln sich die Landesausstellungen zunehmend von wirtschaftlichen Leistungsschauen zu Orten der nationalen Identifikation.
Die Expo02 verabschiedet sich endgültig von der Idee der Leistungsschau: Die jüngste Landesausstellung versteht sich als Spiegelung Schweizer Befindlichkeiten im globalen Kontext.


Objekt: Expo-Modell 01/oder 02 (LM 92298.1 oder LM 92301)



GELD UND GOLD

Die Stabilität der Schweizer Währung, die Neutralität des Landes sowie das 1934 eingeführte Bankgeheimnis gehören zu den Konstanten des Finanzplatzes Schweiz. Diese verhelfen der Schweiz während den beiden Weltkriegen zu einem rasanten Aufstieg. Der Bank-Plazt Schweiz gehört heute zu den wichtigsten der Welt.
Die 1907 gegründete Schweizerische Nationalbank (SNB) darf als einzige Bank herausgeben. 1936 werden die Banknoten zum gesetzlichen Zahlungsmittel.


Objekt: Banknoten (HvR) oder Banksafe



HEIMAT

Gefragt nach der eigenen Heimat, geraten die meisten von uns ins Grübeln. Was und wo ist Heimat? Die Schweiz wandelt sich im 20. Jahrhundert vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland. Gastarbeiter, Fremdarbeiter und Asylanten. Die grosse Migrationssphase der Arbeitsmigranten der 1950er Jahre wird in den letzten Jahrzehnten  durch einen weltweiten Flüchtlingstrom abgelöst, der auch vor unseren Grenzen nicht Halt macht. Beide Ausprägungen führen zu politischen Kontroversen und sozialen Konflikten.


Objekt: 1 Foto Kosovarischer Autofans (keine Inv.Nr)



Innovation

Im Zuge der Industrialisierung setzte ein gewaltiger Innovationsschub ein: Mechanische und technische Errungenschaften, aber auch Innovationen im Bereich der Kommunikation und Mobilität beinflussten den Lebensalltag des 20. Jahrhunderts nachhaltig. Das Schweizerische Landesmuseum sammelt sogenannte «Schwellenprodukte». Damit sind Objekte gemeint, welche beispielhaft für produktionstechnische, formale und gesellschaftliche Veränderungen stehen.


Objekt: Natel A (LM 80207)



KONSUMKULTUR

Das 20. Jahrhundert ist das Jahrhundert des kollektiven Konsums. Die aufkommende Massenproduktion ermöglicht den Konsumenten den Zugang zu einer breiten Palette von Konsumgüter wie industriell produzierte Kleider und Haushaltsgeräten.
Mit der Trennung von Freizeit und Arbeit gewinnen Kultur, Unterhaltung und Sport zunehmend an Bedeutung. Konzert- und Sportveranstaltungen mutieren zu eigentlichen Massenveranstaltungen und werden zu Träger eines neuen Lebensgefühls ganzer Generationen.


Objekt: «Motion on the Sun», Love Mobiles und tanzende Massen an der Street Parade um das Zürcher Seebecken. Fotografie auf Glas aufgezogen, 125 x 185 cm, Annelies Štrba, August 1999 (LM 82051). Copyright: ©Annelies Štrba



Krisen und Konflikte

Das  20. Jahrhundert bezeichnete der englische Historiker Eric Hobsbawm als „das Zeitalter der Extreme“. Die erste Hälfte war eine einzige Abfolge von Katastrophen, zwei Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise nahmen den Menschen ihren Glauben an die Zukunft. Die Schweiz bleibt zwar von den Weltkriegen verschont, erlebt aber trotzdem Krisen und Konflikte, die im direkten Zusammenhang mit dem internationalen Weltgeschehen stehen.


Objekt: Ausrüstungsgegenstände der Stadtpolizei Zürich (Globus Krawalle): Mütze (LM 81880.1) etc.



Ladies first

Erst im Jahr 1971 und nach zwei eidgenössischen Abstimmungen gelingt der lang ersehnte Durchbruch: Die Frauen in der Schweiz erhalten endlich das Stimm- und Wahlrecht. Die Schweiz gehört somit zu den letzten Industriestaaten, die das Frauenstimmrecht einführten.
Die erste Frau, die 1984 in die Landesregierung gewählt wird, ist die Juristin Elisabeth Kopp. Bereits 1989 muss sie wegen angeblicher Verletztung des Amtsgeheimnisses zurücktreten. Trotz eines späteren Freispruchs ist ihre politische Karriere am Ende. Frauen an die Macht – die first ladies leben gefährlich.


Objekt: Kopp Bluse und Jupes (LM 91201.1-2)



LEBENSWELTEN

Private und öffentliche Einrichtungen widerspiegeln soziale Zugehörigkeit und gesellschaftliche Strukturen. Stilrichtungen wie Fin de Siècle, Jugendstil und Art Déco sind Ausdruck eines gehobenen Lebensstils. Die Moderne der 1920er Jahre stellt die sozial-ethischen Aspekte des Wohnens in den Vordergrund und der Heimatstil setzt auf gut bürgerliche und typisch schweizerische Werte. Das Schweizerische Landesmuseum sammelt Möbel und Einrichtungen aufgrund ihrer kulturhistorischen Bedeutung.


Objekt: Ehrlich Notzimmer-Garnitur (LM 73303)



LUXUS

Der Stellenwert von Luxus hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg stark gewandelt. Luxus als Mittel zur Abgrenzung und zur Zurschaustellung von Reichtum haben ausgedient. Heute können sich viel mehr Leute teure Parfums, Designerkleider und Traumferien leisten. Immatrielle Dinge wie beispielsweise "Zeit" und  "Ruhe" werden zunehmend als Luxus wahrgenommen.


Objekt: Tuggenerbild 1 Stück (LM 92697.1-2)





Schweizerisches Landesmuseum Zürich
Museumstrasse 2
8023 Zürich
Tel. +41 44 218 65 11

ÖFFNUNGSZEITEN
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Mi 10.00 - 20.00 Uhr
Montag geschlossen